Heute steht endgültig fest: Das hier wird ein Erholungstag. Oder anders gesagt: ein Tag, an dem wir erstaunlich produktiv nichts tun. Wir schlafen aus, frühstücken gemütlich und ziehen anschließend in Richtung unseres privaten Poolzugangs. Dort wartet allerdings ein alter Bekannter auf mich. Nach vier Tagen hat sich an der Wasseroberfläche erneut diese schwarze Pampe gesammelt, die mich sofort markiert. Innerhalb weniger Sekunden sehe ich aus, als hätte ich heimlich in einer Autowerkstatt übernachtet. Tanja hat diesmal mehr Glück und bleibt verschont. Leider ist weit und breit kein Wasserkontrollmurkel zu sehen, dem ich die neue Umweltkatastrophe melden könnte.
Nachdem ich mich von meiner Beschichtung befreit habe, sitzen wir auf der Terrasse, philosophieren über Gott, die Welt und allerlei andere wichtige Themen. Das Ergebnis unserer Gedankenarbeit ist überschaubar, also entschließen wir uns zum Mittagessen aufzubrechen. Dort komme ich zu einer wichtigen Erkenntnis: Ich freue mich auf Zuhause. Genauer gesagt auf Sauerbraten, Frikadellen, Reibekuchen und alles, was nicht aus Hähnchen, Reis oder Gemüse besteht. Die Aussicht auf Samstagmorgen gewinnt deutlich an Attraktivität.
Nach dem Essen beschließen wir, den Ort außerhalb des Resorts kennenzulernen. Also marschieren wir einen Kilometer in die eine Richtung. Dort finden wir alte, teilweise verfallene Hotelanlagen, Gebüsch, Bäume und sonst nicht viel. Die andere Richtung ist überraschenderweise ähnlich aufregend. Auffällig ist lediglich ein großer Gebäudekomplex, in dem offenbar die Mitarbeiter des Resorts wohnen. Gerade findet Schichtwechsel statt und zahlreiche Angestellte verschwinden dort.
Wir erkennen einige Gesichter wieder.
Also freundlich: „Jambo!“
Antwort: Nichts.
Kein Lächeln. Kein Gruß. Keine Reaktion.
Das irritiert mich mehr, als ich erwartet hätte. Innerhalb der Hotelmauern werde ich täglich ungefähr zehnmal gefragt, ob alles in Ordnung sei. Außerhalb scheint man mich nicht mehr zu kennen. Plötzlich wirken viele dieser freundlichen „Jambo, everything okay?“-Rufe etwas weniger herzlich und etwas mehr dienstlich. Auf dem Rückweg denke ich darüber länger nach und meine eigenen Jambo-Antworten sind heute merklich kürzer.
Zurück im Resort entdecken wir plötzlich unsere Freunde aus Manchester, die wir bereits von der Safari kennen. Tanja sprintet los, als hätte sie gerade einen Löwen entdeckt, und die Wiedersehensfreude ist tatsächlich groß. Diesmal lernen wir endlich auch ihre Namen kennen. Stefanie und Andie. Man kennt sich inzwischen so gut, dass man über Lodges, Safaris, Hotels und allerlei Reiseerfahrungen plaudern kann.
Nach dem gespräch wechseln wir zur nächsten Bar und bestellen Mocktails. Dort fällt uns gleichzeitig auf, dass die Baustelle auf dem Gelände inzwischen erschreckend schnell wächst. Das neue Hauptrestaurant nimmt Form an und die Handwerker scheinen einen Sondervertrag mit der Kreissägenlobby abgeschlossen zu haben. Sägen, Hämmern, Bohren. Wer künftig hier Urlaub macht, sollte hoffen, dass die Zimmer gut isoliert sind.
Der Abend beginnt schließlich mit dem Abendessen und endet zunächst bei einer Karaoke-Veranstaltung.
Zumindest theoretisch.
Das erste Lied des Animateurs klingt so, als würde jemand einem Waschbären auf den Schwanz treten.
Das zweite Lied einer Dame aus Frankreich ist deutlich besser.
Dann übernehmen die weiteren Gäste.
Und spätestens jetzt wird klar, warum Karaoke überwiegend mit Alkohol funktioniert.
Je mehr gesungen wird, desto größer wird mein Wunsch nach einem Bett. Während andere mutig ihre Lieblingslieder präsentieren, ziehe ich mich lieber zurück. Der letzte Tag in Afrika endet.
Morgen sitzen wir um diese Zeit bereits im Transferbus zum Flughafen.
Und während irgendwo noch jemand schief singt, freue ich mich plötzlich auf Zuhause.
Nicht, weil Sansibar nicht schön wäre.
Sondern weil jede Reise irgendwann genau den richtigen Zeitpunkt findet, an dem man gerne wiederkommt.






































Kommentare
es war wieder eine große Freude, deinen täglichen Reisebericht zu lesen. Was für eine tolle Reise. Vielen Dank auch für die vielen wunderschönen Fotos. Ich wünsche euch eine gute und sichere Rückreise.
Liebe Grüße, natürlich auch an Tanja,
bis bald
Hedwig