Da sind wir jetzt im Club, aber fangen wir vorne an. Heute beginnt der zweite Teil unserer Reise. Früh am Morgen verlassen wir unsere letzte Lodge und fahren die letzten drei Stunden mit Godson zurück nach Arusha. Irgendwann heißt es Abschied nehmen von unserem Fahrer, der uns die vergangenen Tage durch Savannen, Schlaglöcher und Tierbeobachtungen begleitet hat. Anschließend wartet der Flughafen auf uns. Eigentlich soll unser Flug um 13:00 Uhr starten. Vorher dürfen wir allerdings noch ein wenig Flughafenfolklore erleben.
Zunächst müssen wir gefühlt jeden zweiten Kontrollpunkt passieren. Schuhe ausziehen. Schuhe wieder anziehen. Rucksack öffnen. Notebook herausnehmen. Notebook wieder einpacken. Wenig später das gleiche Spiel noch einmal. Irgendwann erreichen wir tatsächlich den Check-in-Schalter. Dort folgt die nächste Überraschung. Unsere Rucksäcke bringen beide zusammen exakt 32 Kilogramm auf die Waage. Zwei Kilogramm zu viel. Der Mitarbeiter erklärt freundlich, dass wir nun Übergepäck bezahlen dürfen. In meinem Kopf läuft bereits die Strategie an. Ich greife zum Rucksack, bereit, die üblichen Umverteilungsmaßnahmen einzuleiten. Der Mitarbeiter beobachtet das Schauspiel kurz, erkennt sofort meinen Plan und entscheidet spontan, dass die beiden Kilo diesmal vielleicht doch nicht so wichtig sind - Geht doch.
Der Flug startet schließlich mit etwas Verspätung und so landen wir erst gegen Nachmittag in Stone Town. Anschließend folgt noch eine etwa einstündige Fahrt zum Paradise Beach Resort. Dort erhalten wir als erstes ein All-Inclusive-Bändchen. Wer mich kennt, weiß, dass ich der „ideale“ Kandidat für solche Armbänder bin.
Nach dem Einchecken entdecken wir unser Upgrade-Zimmer und tatsächlich ist das Upgrade sichtbar. Besonders beeindruckend ist der direkte Zugang zum Pool. Theoretisch könnten wir direkt von der Terrasse ins Wasser springen. Praktisch teilen wir ihn uns natürlich mit den Nachbarzimmern, aber trotzdem fühlt sich das ein wenig luxuriös an.
Nach dem Auspacken erkunden wir die Anlage und beschließen, die Vorteile des All-Inclusive-Angebots erstmals zu testen. Schon bei der Getränkekarte beginnt allerdings das erste mathematische Problem. Auf Seite zwei entdecke ich einen Aperol Spritz. Preis: vier Dollar. Allerdings stellt sich heraus, dass All Inclusive nur für die Getränke auf Seite eins gilt. Also bleibt der Aperol außen vor. Kein Problem, denke ich mir, dann eben ein Gin Tonic. Der kostet zwar fünf Dollar. So lernt man sein All-Inclusive-Paket sehr schnell kennen.
Am Abend beginnt das nächste Abenteuer. Für 19:00 Uhr erhalten wir feste Essenszeiten. Punkt 19:00 Uhr stehen wir vor dem Restaurant. Zusammen mit ungefähr fünfzig anderen Gästen. Für einen kurzen Moment habe ich das Gefühl, als würde gleich jemand anfangen, Handtücher auf die besten Plätze zu legen. Der Kellner findet schließlich einen Tisch für uns und wir starten den Angriff auf das Buffet. Als wir zum Hauptgang kommen, sind allerdings gerade keine Teller mehr verfügbar. Die Getränkeversorgung funktioniert ebenfalls nur sehr eingeschränkt, sodass Selbstbedienung wieder einmal die schnellste Variante darstellt.
Der eigentliche Höhepunkt folgt wenig später. Während Tanja sich am Buffet befindet und ich bereits beim Dessert angelangt bin, beschließt ein Kellner offenbar, dass wir fertig gegessen haben. Kurzerhand räumt er Tanjas Jacke vom Stuhl und möchte unseren Tisch bereits an die Gäste des nächsten Zeitfensters vergeben. Die nachfolgende Situation lässt sich wohl am besten mit „überraschend laut“ beschreiben. Tanja erkennt den Kellner zunächst nicht und sieht nur jemanden, der plötzlich ihre Jacke entfernt. Ich sehe den Vorgang ebenfalls und bin innerhalb von Sekundenbruchteilen wieder am Tisch. Sagen wir es vorsichtig: Im Restaurant weiß man jetzt ziemlich genau, wer wir sind.
Nachdem wir das Abendessen erfolgreich beendet haben, versuchen wir den Tag mit einer Cola und einem Bitter Lemon ausklingen zu lassen. Die Cola funktioniert. Das Bitter Lemon nicht. Es gehört weder zum All-Inclusive-Angebot noch scheint es überhaupt verfügbar zu sein.
Eigentlich gehen wir deshalb leicht enttäuscht zurück auf unser Zimmer. Dann folgt jedoch die große Überraschung des Tages. Das WLAN funktioniert hervorragend. Und zwar so gut, dass wir tatsächlich das aktuelle BAP-Konzert streamen können. Plötzlich erklingt kölsche Musik über Sansibar und ich bin mir ziemlich sicher, dass spätestens jetzt auch die letzten Sansibarianer wissen, wer Wolfgang Niedecken ist.
So endet unser erster Abend am Indischen Ozean. Zwischen Flughafenkontrollen, All-Inclusive-Definitionen, Tischräumaktionen und kölscher Rockmusik war es jedenfalls alles andere als langweilig.






































Kommentar schreiben