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7.8.2026 - Stromlos in der Serengeti

Heute dürfen wir tatsächlich ausschlafen. Zumindest theoretisch. Praktisch endet die Nacht damit, dass ich immer wieder wach werde, weil mein iPhone merkwürdige Geräusche von sich gibt. Morgens stellt sich dann die Ursache heraus: Wir wollen im Bad das Licht einschalten und nichts passiert. Stromausfall. Das Telefon hat die ganze Nacht zwischen „Laden“ und „Nicht-Laden“ gewechselt und mich mit seinem Gepiepse zuverlässig wachgehalten. Also beginnt der Tag mit Körperpflege im Halbdunkel.

Als wir zum Restaurant laufen, hören wir aus dem Büro des Managers ebenfalls ein Piepen. Nervig ist gar kein Ausdruck. Die anderen Gäste sind bereits verschwunden und das WLAN funktioniert erstaunlich gut. Also erst einmal frühstücken. Das soll offiziell bis 9:00 Uhr möglich sein. Um 8:15 Uhr sitzen wir am Tisch. Toast gibt es nicht, denn geröstet wird ohne Strom nichts. Die Auswahl an Belägen ist derart reduziert, dass entweder Tanja oder ich etwas davon essen können, aber bestimmt nicht beide. Ich entscheide mich für die Pilze. Ein Fehler. Sie sind kalt. Noch bevor ich mir einen Joghurt holen kann, beginnt das Personal um 8:30 Uhr, das Buffet abzuräumen. Das Frühstück zeitnah.

Also zurück zum Notebook. Die Bilder vom Vortag werden hochgeladen, die Texte bearbeitet und veröffentlicht. Alles läuft erstaunlich gut, bis mir ein Fehler auffällt und ich noch einmal auf die Webseite möchte – Offline - Komplett. In diesem Moment verstummt auch das Piepen aus dem Büro des Managers. Plötzlich ergibt alles Sinn. Die unterbrechungsfreie Stromversorgung für die IT-Geräte hat die ganze Zeit Alarm geschlagen. Jetzt ist der Akku leer, der Router tot und das Internet gleich mit verschwunden.

Was allerdings hervorragend funktioniert, ist eine Kreissäge. Irgendwo auf dem Gelände wird gebaut und die Handwerker verfügen offenbar über eine Sondergenehmigung für Strom. Seit gestern Abend sägt dort jemand mit bewundernswerter Ausdauer Holz in immer neuen Varianten. Während das WLAN stirbt, arbeitet die Kreissäge zuverlässig weiter. Prioritäten sind eben unterschiedlich.

Also sitze ich auf der Terrasse des Restaurants und schaue auf den See. In diesem Moment fühle ich mich ein wenig wie Dr. Houseman nachdem Baby ihm erzählt hat, dass er der Tanzlehrerin helfen muss. Wer die Szene kennt, weiß genau, welchen Blick ich meine. Diesen leicht enttäuschten Blick über das Wasser. Genau so sitze ich dort. Der Unterschied besteht lediglich darin, dass ich nicht Jennifer Grey als Tochter habe und die Kreissäge im Hintergrund lärmt. Wer es immer noch nicht weiß – Das war aus Dirty Dancing.

Meine Enttäuschung wächst schließlich so weit, dass ich einen ausführlichen Brief an den Reiseveranstalter verfasse. Drei DIN-A4-Seiten später fühle ich mich deutlich besser. Währenddessen fällt mir auf, dass unser Veranstalter offenbar ein Faible für Schilder und Überwachungskameras besitzt. Wohin man schaut, hängt ein neues Hinweisschild oder eine weitere Kamera. Man hat manchmal das Gefühl, die Serengeti muss überwacht werden.

Aus purer Langeweile fotografiere ich anschließend einige Vögel, die um das Restaurant herumfliegen. Wenig später gibt es Mittagessen. Überraschenderweise ist es heute durchaus genießbar. Chicken Wraps mit Pommes. Nicht gerade die kulinarische Offenbarung Afrikas, aber immerhin essbar. Langsam frage ich mich allerdings, ob es auf diesem Kontinent nicht vielleicht auch eine nationale Küche geben könnte, die den Weg auf den Teller findet.

Dann taucht endlich der Manager auf, kurze Zeit später ist der Strom wieder da und mit ihm auch das Internet. Die Blogbeiträge werden fertiggestellt, E-Mails beantwortet und der Beschwerdebrief verschickt. Anschließend steht Waschtag auf dem Programm. Die T-Shirts haben mittlerweile einen ganz eigenen Charakter entwickelt und ich beschließe, sie einmal gründlich auszuspülen. Bereits nach dem ersten Waschgang wird klar, dass sich darin ungefähr die halbe Serengeti gesammelt hat. Was im Wasser landet, sieht eher nach Lehmabbau als nach Wäschepflege aus. Also folgen weitere Waschgänge.

Der Nachmittag vergeht mit Blogtexten, etwas Erholung und dem Eintreffen neuer Gäste. Diesmal reisen einige aus Österreich an. Während wir bei einer Cola sitzen, hören wir Gesprächsfetzen über „Schiraffen“ und andere afrikanische Besonderheiten. Irgendwo dazwischen meine ich sogar, die Rosinenhexe aus Tommy Jauds „Hummeldumm“ wiederzuerkennen. Nach einer halben Stunde bin ich jedenfalls fest davon überzeugt, dass ich ausgesprochen klares Hochdeutsch spreche.

Dann macht mein Handy „Pling“. Die Antwort des Reiseveranstalters ist da. Einige Punkte möchten sie genauer beschrieben haben, einige Kritikpunkte werden jedoch sofort anerkannt. Außerdem erhalten wir für den Rest der Reise ein Upgrade. Das klingt zunächst vielversprechend. Allerdings möchte ich erst einmal abwarten, ob es tatsächlich etwas verbessert.

Der Abend entschädigt schließlich für vieles. Über dem See zeigt sich ein spektakulärer Sonnenuntergang und beim Abendessen treffen wir erneut das sympathische Paar aus Manchester. Die Gespräche sind angenehm, die Stimmung entspannt und auf einmal wirkt auch der ganze Tag nicht mehr ganz so dramatisch.

So endet ein Ruhetag, an dem wir eigentlich gar nichts Besonderes geplant haben. Am Ende erleben wir Stromausfall, WLAN-Drama, Kreissägen-Symphonien, afrikanische Staubwäsche, österreichische Safari-Philosophie und sogar ein Upgrade. Für einen Tag ohne Programm ist das eigentlich gar nicht schlecht.

 

Kommentare

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Wolfgang Kojtka
Samstag, 08. August 2026 14:27
Hallo ihr zwei. Wenn ich mir die Fotos ansehe, so glaube ich, dass ihr das Essen total überbewertet. 😀 Spaß beiseite. Wir waren um das Jahr 2000 auch mehrmals in Kenia auf Safari und da waren die Lodges und das Essen top. Ich wünsche euch weiterhin eine tolle Reise.
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