Manchmal gibt es diese Tage, an denen man morgens aufsteht und noch nicht ahnt, dass das Universum beschlossen hat, einen dezent auf die Probe zu stellen. Genau so beginnt unser Tag in der Serengeti. Während wir durch die endlosen Ebenen rollen, chatte ich mit Johnny Krüger, der sich gerade in Kenia befindet und bereits fünf Leoparden gesehen hat. Fünf! Das ist schon klasse und ich weiß, warum er ein so guter Naturfotograf ist.
Kurz darauf taucht eine Ansammlung von Fahrzeugen auf. Das verheißt normalerweise etwas Spannendes. Tatsächlich läuft ein Gepard durch die Savanne. Weniger spannend ist allerdings die Tatsache, dass ein Fahrer ihn regelrecht vor sich hertreibt. Selbst Godson schüttelt nur den Kopf und kommentiert trocken: „Stupid Driver.“ Wenn sogar ein tansanischer Guide den Kopf schüttelt, weiß man, dass jemand die Bedienungsanleitung für respektvollen Tourismus nicht gelesen hat.
Danach folgen Flusspferde, Elefanten und jede Menge Zebrastreifen auf vier Beinen. Das Faszinierende an Zebras ist, dass sie offenbar die einzige Verkehrsberuhigungsmaßnahme Afrikas sind. Kaum läuft ein Exemplar über die Piste, bremsen sämtliche Fahrzeuge schlagartig ab. Straßenplaner sollten darüber nachdenken.
Kurze Zeit später entdecken wir riesige Mengen Gnus. Tausende Tiere verteilen sich über die Ebene. Es sieht aus wie eine Migration, nur leider fehlt der berühmte Fluss als dramaturgischer Höhepunkt. Trotzdem ist es beeindruckend, als die Herde plötzlich geschlossen losläuft und die Landschaft zum Leben erwacht.
Dann die nächste Fahrzeugansammlung. Diesmal eine Löwenfamilie. Sechs Tiere liegen entspannt am Wegesrand. Wir ergattern eine hervorragende Position, bereit für das Foto des Tages. Genau in diesem Moment stirbt unser Fahrzeug. Einfach aus. Ende. Feierabend.
Godson diagnostiziert sofort den Klassiker: Der Anlasser hängen fest. Afrikanische Problemlösung funktioniert erfreulich pragmatisch. Innerhalb weniger Minuten organisiert er ein anderes Fahrzeug, das unseres schlicht anschiebt. Eine Methode, die man bei deutschen Vertragswerkstätten vermutlich vergeblich im Serviceheft sucht. Der Motor springt an, wir verlassen den perfekten Fotoplatz, jedoch ohne Bilder.
Dann Mittagspause.
Eigentlich ein Höhepunkt des Tages. Heute gibt es keine gewöhnlichen Lunchboxen, sondern den legendären Lunchkorb. Warmes Essen, bessere Kühlung, höhere Erwartungen. Wir setzen uns, öffnen die erste Dose und finden... nichts. Die zweite Dose? Ebenfalls nichts. Es stellt sich heraus, dass jemand den ambitionierten Plan verfolgt hat, uns ausschließlich mit Verpackungsmaterial zu versorgen.
Godson ist entsetzt. Wir sind hungrig. Wer mich kennt, weiß, dass ich spätestens um zehn Uhr gedanklich bereits auf das Mittagessen hinarbeite. Heute sogar besonders intensiv. Nun sitzen wir in der Serengeti, umgeben von Löwen, Gnus und Zebras, während unsere Verpflegung offenbar eigenständig ausgewandert ist.
Zum Glück zaubert Godson innerhalb von anderthalb Stunden eine Alternative in einer Lodge herbei. Das Gute: Wir bekommen Essen. Das Schlechte: Anderthalb Stunden können überraschend lang sein, wenn man hungrig ist und sich bereits innerlich mit den Gnus um die letzten Grashalme streitet.
Am Nachmittag entschädigt uns eine weitere Löwenfamilie. Diesmal passt alles. Perfekte Position, schönes Licht und entspannte Tiere. Endlich entstehen die Bilder, für die wir hierhergekommen sind.
Am frühen Abend erreichen wir unsere Unterkunft. Die Lage am See ist traumhaft. Der Sonnenuntergang sorgt für Postkartenstimmung. Doch dann folgt die Realität. Kein WLAN. Kein Föhn. Kein Pool. Zwei Übernachtungen.
Natürlich sind das Luxusprobleme. Aber wenn man den bislang teuersten Urlaub seines Lebens bucht und ihn mit früheren Afrika-Reisen vergleicht, fallen solche Dinge eben auf. Gute Lodges leben nicht nur von ihrer Lage, sondern von den kleinen Details, die aus einem Aufenthalt ein Erlebnis machen. Genau diese Details fehlen hier.
Vielleicht ist morgen deshalb genau der richtige Tag für das, was ohnehin geplant ist: einfach einmal nichts tun. Die Aussicht genießen, die Kamera ruhen lassen und den Löwen erzählen, wie unsere Lunchboxen erfolgreich ausgewandert sind.






































Kommentar schreiben