Heute führt uns der Weg in den Norden der Serengeti. Bereits kurz nach der Abfahrt begegnen uns wieder unsere treuen Begleiter der letzten Tage: Zebras, Elefanten, Springböcke, Giraffen und Gnus. Eigentlich klingt das spektakulär, aber nach mehr als einer Woche Safari merkt man, wie schnell man sich an Außergewöhnliches gewöhnt. Früher hätte ich in jedem Zoo stundenlang vor den Gehegen gestanden und fotografiert, bis die Speicherkarte voll gewesen wäre. Heute ist die erste Speicherkarte längst gefüllt und bei einem Zebra denkt man sich oft nur noch: "Schön, aber weiter geht's."
Damit ein Tier noch besondere Aufmerksamkeit bekommt, muss es schon etwas Außergewöhnliches machen. Zum Beispiel ein Impala direkt am Straßenrand säugen. Oder man besucht den berühmten Hippo Pool. Dort gibt es so viele Flusspferde, dass man sich zunächst orientieren muss, welches man eigentlich beobachten möchte. Die Tiere liegen dicht an dicht im Wasser und grunzen, schnauben und gähnen vor sich hin. Wir verbringen eine ganze Weile dort, bis uns ein Ranger freundlich, aber bestimmt darauf aufmerksam macht, dass wir uns eigentlich hinter einer Begrenzung befinden, die wir großzügig übersehen haben. Nun gut, die Bilder sind im Kasten. Anschließend machen wir noch einige weitere Aufnahmen vom offiziellen Aussichtspunkt aus.
Weiter geht es durch die Savanne. Büffelherden ziehen durch die Landschaft, eine Elefantenfamilie überquert direkt vor uns den Weg und wenig später entdecken wir erneut eine Gruppe Flusspferde. Hier gefallen sie mir sogar noch besser als am Hippo Pool, weil man die Tiere viel natürlicher beobachten kann. Die Zeit vergeht dabei wie immer viel zu schnell und irgendwann ist es Zeit für die Mittagspause.
Diesmal erhalten wir einen gedeckten Tisch. Das Essen ist deutlich besser als an den vergangenen Tagen und erstmals essen wir alles mit Begeisterung. Dennoch besteht das Menü wieder aus Hähnchen, Gemüse und Reis. Ich ahne bereits jetzt, dass diese Kombination nach meiner Rückkehr nach Deutschland für längere Zeit nicht mehr auf meinem Speiseplan stehen wird.
Nach der Pause fahren wir weiter und plötzlich entdecke ich etwas in einem Baum. Noch bevor ich genauer hinschauen kann, fällt mir auf, dass bereits mehrere Fahrzeuge darunter stehen. Das ist in Afrika fast immer ein sicheres Zeichen dafür, dass irgendwo eine Großkatze zu finden ist. Und tatsächlich: Hoch oben in den Ästen liegen zwei Löwen und halten ihren Mittagsschlaf. Zunächst beobachten wir die Tiere aus respektvoller Entfernung, dann wagen auch wir uns näher heran. Nur wenige Meter trennen uns von den Löwen. Es ist schon beeindruckend, wenn man einem der mächtigsten Raubtiere Afrikas praktisch auf Augenhöhe begegnet.
Irgendwann geht es jedoch weiter. Und schon wartet das nächste Highlight. Ein einzelner Löwe liegt zunächst auf einem Felsen und beobachtet die Umgebung. Dann steht er auf und beginnt, sich ganz langsam durch das Gras zu bewegen. Mit jedem Schritt nähert er sich einer Gazelle. Die Entfernung wird kleiner und kleiner. Zwanzig Meter. Fünfzehn Meter. Zehn Meter. Die Kameras laufen auf Hochtouren und alle warten gespannt auf den entscheidenden Moment. Doch kurz bevor es ernst wird, hebt die Gazelle den Kopf. Sie hat den Löwen entdeckt. Der Überraschungseffekt ist dahin und die Jagd endet, bevor sie überhaupt begonnen hat. Für die Gazelle ein Glückstag. Für den Löwen ein weiterer Diättag. Schade, denn das wäre sicherlich eine spektakuläre Szene geworden.
Am späten Nachmittag kehren wir zur Lodge zurück und ruhen uns etwas aus, denn das Tagesprogramm ist noch nicht beendet. Gegen 20:00 Uhr startet unsere Nachtpirschfahrt. Eigentlich sollten weitere Gäste dabei sein, doch am Ende sind wir wieder allein mit unserem Guide unterwegs. Die Dunkelheit verändert die Serengeti komplett. Plötzlich übernehmen die nachtaktiven Tiere die Bühne. Wir entdecken Hyänen, Schakale und viele leuchtende Augen im Scheinwerferlicht. Und auch das bekannte Lied "The Lion Sleeps Tonight" verliert etwas an Glaubwürdigkeit. Der Löwe, den wir entdecken, scheint jedenfalls nicht die Absicht zu haben zu schlafen. Er ist ebenfalls unterwegs und nutzt die Nacht für seine Streifzüge durch die Savanne.
Nach zweieinhalb Stunden kehren wir schließlich ins Camp zurück. Während manche Tiere jetzt erst richtig wach werden, ist mein Zustand eher das Gegenteil. Die Kamera wird verstaut, die Bilder gesichert und ich kenne nur noch ein Ziel.
Das Bett.
Heute dürfen die Löwen gerne ohne mich weiterjagen.
So endet ein Tag, der zunächst etwas unspektakulär beginnt, dann aber mit einem Leoparden, einem verhinderten Jagdausflug und einem verregneten Sundowner doch noch einige Geschichten bereithält, über die man später gerne erzählt.






































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