Heute geht es einmal erstaunlich gesittet zu. Um 8:00 Uhr starten wir in Richtung Serengeti und bereits rund dreißig Minuten später stehen wir am Gate des wohl berühmtesten Nationalparks Afrikas. Die Formalitäten werde erledigt und schon rollen wir über die endlosen Ebenen der Serengeti. Zunächst begegnen uns die üblichen Verdächtigen: Zebras, Gazellen, Gnus und Elefanten. Alles beeindruckende Tiere, keine Frage. Aber nach den vergangenen Tagen wird man fast ein wenig verwöhnt. Stundenlang fahren wir durch die Landschaft, die Sonne brennt vom Himmel und das monotone Geschaukel des Fahrzeugs sorgt dafür, dass gelegentlich schon einmal ein Auge zufällt. Nicht beide gleichzeitig, das wäre für die Fotografie eher ungünstig.
Zur Mittagszeit öffnen wir unsere Lunchboxen. Bereits der erste Blick verrät, dass dies kein Höhepunkt des Tages werden wird. Kalte Hähnchenschenkel in einer undefinierbaren Sauce mit ebenfalls kalten, halbgegarten Kartoffeln. Selbst Godson, der normalerweise alles mit stoischer Gelassenheit hinnimmt, gibt irgendwann auf. Das will in Tansania durchaus etwas heißen.
Nach dem Mittagessen setzen wir unsere Fahrt fort und schon wenige Minuten später geht plötzlich nichts mehr. Zwei Fahrzeuge stehen quer auf der Piste und blockieren den Weg. Der Grund liegt auf einem Baum. Ein Leopard hat es sich zwischen den Ästen bequem gemacht. Natürlich richten sich sofort sämtliche Kameras in seine Richtung. Das Tier liegt jedoch ziemlich versteckt und macht es den Fotografen nicht leicht. Dann passiert das, worauf alle hoffen. Der Leopard beginnt langsam vom Baum herunterzuklettern. Elegant setzt er eine Pfote vor die andere und schleicht durch das hohe Gras der Savanne. Erst jetzt entdecken wir auch den Grund für sein Interesse. Einige Meter entfernt steht ein kleiner Springbock.
Für einen kurzen Moment scheint alles perfekt zu laufen. Der Leopard pirscht sich langsam an, die Kameras rattern und jeder hofft auf eine spektakuläre Szene. Genau in diesem Augenblick fährt eines der anderen Safari-Fahrzeuge los und positioniert sich direkt zwischen Leopard und Beutetier. Das Schauspiel ist augenblicklich beendet. Der Leopard bricht seinen Versuch ab und verschwindet. Sofort sind alle Beteiligten auf den Fahrer nicht besonders gut zu sprechen. Manchmal reicht eben eine einzige schlechte Entscheidung, um einen besonderen Moment zu zerstören.
Wenig später machen wir uns auf den Weg zu unserer Lodge. Dort angekommen erleben wir ein Déjà-vu. Erneut erhalten wir die Unterkunft, die am weitesten vom Restaurant entfernt liegt. Wer hier zum Frühstück geht, hat sein tägliches Schrittziel vermutlich bereits vor dem ersten Kaffee erreicht. Als dann auch noch der Schlüssel den Dienst verweigert, gibt es zum ersten Mal auf dieser Reise eine kleine Beschwerde. Überraschenderweise wirkt sie Wunder. Wenige Minuten später bekommen wir eine andere Unterkunft, die deutlich näher am Hauptgebäude liegt.
Am späten Nachmittag wartet dann noch ein Sundowner-Ausflug auf uns. Zunächst sind wir zu dritt unterwegs, doch unterwegs gesellen sich eine sehr unterhaltsame Gruppe aus Belgien und Mallorca zu uns. Gemeinsam gehen wir zu einem Aussichtspunkt und genießen bei einem Glas Wein die Atmosphäre. Der Sonnenuntergang hat allerdings eigene Pläne. Statt spektakulärer Farben liefert er vor allem Regenwolken. Trotzdem entsteht eine wunderbar entspannte Stimmung. Spätestens als „Time for Africa“ und „Hakuna Matata“ aus den Lautsprechern erklingen, wird gesungen, geschunkelt und sogar getanzt. Niemand nimmt das Wetter noch besonders ernst.
Zurück in der Lodge trifft man sich beim Abendessen erneut. Die Stimmung ist gut, die Gespräche lebhaft und man merkt schnell, dass solche Begegnungen oft genauso wertvoll sind wie die Tierbeobachtungen. Dennoch verabschieden wir uns relativ früh. Morgen klingelt der Wecker wieder zu einer Uhrzeit, die nach meinem persönlichen Empfinden eigentlich noch zur Nacht gehört.
So endet ein Tag, der zunächst etwas unspektakulär beginnt, dann aber mit einem Leoparden, einem verhinderten Jagdausflug und einem verregneten Sundowner doch noch einige Geschichten bereithält, über die man später gerne erzählt.






































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