5:00 Uhr morgens. Ja, richtig gelesen. Fünf Uhr. Zu einer Uhrzeit, zu der ich normalerweise höchstens einmal kurz überprüfe, ob ich mich im Bett noch umdrehen kann, sind wir bereits auf dem Weg zum Frühstück. Der Grund für diese Frühschicht heißt Pololeti Game Reserve. Bereits eine halbe Stunde später stehen wir am Gate und werden von Zebras, Gnus, Elefanten und einigen Pumbas begrüßt. Die afrikanische Tierwelt scheint deutlich motivierter zu sein als ich.
Nach kurzer Zeit entdecken wir eine größere Ansammlung von Geiern. Einige kreisen über uns am Himmel, andere sitzen bereits in den Bäumen. Unser Fahrer steuert direkt darauf zu und schon bevor wir ankommen, wissen wir, dass dort etwas liegen muss. Der Geruch erreicht uns nämlich deutlich früher als der eigentliche Fundort. Es riecht nach einer Mischung aus Stall, Kuhmist und allem, was man lieber nicht näher beschreiben möchte. Dann sehen wir den Grund. Vor uns liegen die Überreste eines Büffels. Die Geier haben bereits ganze Arbeit geleistet und der Rest erklärt den Geruch von ganz allein.
Doch der Kadaver ist nicht der eigentliche Star dieser Veranstaltung. Rund um die Stelle haben sich bereits zahlreiche Safari-Fahrzeuge versammelt. Wenige Meter entfernt liegt nämlich der wahre Grund für unser frühes Aufstehen. Der König der Tiere hat offensichtlich gerade ein Festmahl hinter sich gebracht. Im hohen Gras liegt ein mächtiger Löwe und sieht dabei ungefähr so fit aus wie ich nach einer übergroßen Portion Sauerbraten mit Klößen und Rotkohl an Weihnachten. Die Augen halb geöffnet, die Bewegungen auf ein Minimum reduziert und der Gesichtsausdruck sagt eigentlich nur eines: „Bitte heute keinen Büffel mehr.“ Einige Meter weiter läuft ein zweiter Löwe durchs Gras. Auch er wirkt nicht gerade wie ein Kandidat für einen Dauerlauf. Die Löwinnen machen ebenfalls einen eher satten Eindruck. Offenbar ist ein Büffel selbst für eine Löwenfamilie eine beachtliche Mahlzeit.
Wir verbringen lange Zeit bei den Tieren und beobachten sie ausgiebig. Genau für solche Momente steht man dann doch gerne einmal mitten in der Nacht auf. Anschließend geht es weiter durch die Savanne. Nun begegnen wir auch lebendigen Büffeln, was deren persönlicher Tagesverlauf deutlich angenehmer erscheinen lässt. Immer wieder kreuzen Zebraherden unseren Weg, Gnus ziehen durch die Landschaft und vereinzelt tauchen Elefanten auf. Nur die Leoparden scheinen beschlossen zu haben, heute frei zu nehmen. Nach mehr als sechs Stunden Pirschfahrt machen wir uns schließlich wieder auf den Weg zur Lodge.
Hier wartet erfreulicherweise eine kleine Überraschung. Das Essen ist tatsächlich besser als in den vergangenen Unterkünften. Nach den bisherigen Erfahrungen fühlt sich das fast wie ein kulinarischer Höhenflug an. Nach dem Mittagessen ziehe ich mich in unsere Hütte zurück. Eigentlich möchte ich nur kurz die Augen schließen. Als ich wieder aufwache, sind zwei Stunden vergangen. Offensichtlich haben die schwere Kamera, das große Objektiv, die permanenten Schlaglöcher und das ständige Geschaukel im Fahrzeug ihre Spuren hinterlassen.
Lange bleibt allerdings keine Zeit, denn Meisanga wartet bereits auf uns. Diesmal führt er uns zu einer Buschwanderung. Zwei Stunden laufen wir durch die Landschaft und erfahren vieles über Kräuter, Wurzeln und Pflanzen, die von den Massai als Heilmittel genutzt werden. Es ist spannend, aber ich gebe ehrlich zu, dass ich gegen Ende vor allem einen Gedanken habe: Wie schön wäre jetzt ein gemütlicher Stuhl in unserer Hütte.
Zurück in der Lodge folgt zunächst das Abendessen und anschließend ein Gin Tonic. Schließlich muss man sich nach einem derart anstrengenden Tag auch medizinisch versorgen. Der Rückweg zur Hütte gestaltet sich dann allerdings etwas komplizierter als erwartet, denn unser Haus wird von Zebras umzingelt. Die Tiere stehen direkt rund um unsere Unterkunft und zeigen wenig Interesse daran, Platz zu machen. Also bekommen wir kurzerhand einen persönlichen Begleiter, der uns sicher zurückführt. Man erlebt schließlich auch nicht jeden Tag, dass man aufgrund einer Zebra-Belagerung Eskorte benötigt.
Wieder in der Hütte beginnt der letzte Teil des Tages. Bilder sichten, Bilder bearbeiten, Blog schreiben und anschließend hoffen, dass die Internetverbindung in Afrika tatsächlich alle Daten hochlädt. Irgendwann klappe ich das Notebook zu. Draußen stehen vermutlich noch immer die Zebras, drinnen wartet das Bett. Und nach einem Tag mit Geiern, Löwen, Büffeln, Kräuterkunde und Zebra-Sicherheitsdienst brauche ich darüber nicht lange nachzudenken. Schlafen kann manchmal auch ein echtes Highlight sein.






































Kommentar schreiben