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2.8.2026 - Demut in 25 Quadratmetern

Eigentlich kann ich es heute Morgen nicht lassen.

Noch einmal stehe ich früh auf, um mir den Sonnenaufgang am Lake Natron anzusehen. Direkt neben unserem Zelt grasen einige Zebras, die scheinbar dieselbe Idee haben. Gemeinsam schauen wir in Richtung Osten, bis die Sonne langsam über die Landschaft steigt. Die Zebras ziehen irgendwann lautlos weiter. Vermutlich haben sie anschließend weniger Programm als wir.

Nach dem Frühstück geht es wieder auf die Piste. Die nächsten dreieinhalb Stunden verbringen wir auf staubigen Straßen in Richtung Maasai Boma, unserem nächsten Quartier für die kommenden zwei Tage.

Dort erwarten uns Rundhütten.

Von außen sehen sie gemütlich aus. Draußen herrscht angenehme Wärme. Also öffnen wir die Tür und betreten das Innere.

Und frieren. Ja, tatsächlich. Mitten in Afrika.

Da wird einem wieder bewusst, was vernünftige Dämmung leisten kann. Das funktioniert in Tansania genauso wie in Deutschland. Es muss eben nicht immer jede Klimaanlage rund um die Uhr laufen. Aber das ist vermutlich eine Diskussion für einen anderen Blogbeitrag.

Nach der langen Fahrt genießen wir zunächst unser Mittagessen, testen den Pool und stellen anschließend fest, dass wir dringend eine Pause benötigen. Also verschwinden wir bis zum späten Nachmittag in unserer Rundhütte.

Gegen 17 Uhr startet dann der Programmpunkt, der diesen Tag prägen wird.

Der Besuch eines Massai-Dorfes.

Solche Führungen habe ich bereits erlebt. In Namibia hatte ich manchmal das Gefühl, eher bei einer Folkloreveranstaltung als im echten Dorfleben gelandet zu sein. Entsprechend vorsichtig sind meine Erwartungen.

Doch diesmal läuft alles anders.

Gemeinsam mit unserem Guide Meisanga wandern wir zunächst etwa eine halbe Stunde durch die Steppe. Unterwegs erklärt er uns einige Besonderheiten der Massai-Kultur. Wie man Menschen begrüßt, warum Kinder zur Begrüßung eine Hand auf den Kopf gelegt bekommen und welche Regeln im Dorf gelten.

Als wir das Dorf erreichen, wird schnell klar, dass dies keine inszenierte Vorstellung werden soll.

Zunächst sehen wir die einfachen Stallungen für Rinder und Schafe. Die Kinder kommen neugierig auf uns zu und begrüßen uns freundlich. Dann bittet uns Meisanga in eine der Wohnhütten. Und genau dort verändert sich plötzlich etwas.

In der Hütte befinden sich eine kleine Feuerstelle, Schlafplätze für Männer, Schlafplätze für Frauen und kleine Kinder sowie Bereiche für junge Tiere.

Vielleicht 25 Quadratmeter.

Vielleicht.

Hier leben acht Menschen.

Und ihre Tiere.

Während wir auf den Betten sitzen, beantwortet die Hausherrin geduldig unsere Fragen. Das Feuer brennt in der Mitte des Raumes. Der Rauch zieht durch die Hütte. Die Luft ist heiß und schwer. Nach wenigen Minuten kratzt der Hals und die Augen beginnen leicht zu brennen.

Doch es ist nicht nur der Rauch.

Es ist dieses Gefühl, für einen Moment in eine völlig andere Welt einzutauchen.

Plötzlich sitzt man nicht mehr als Tourist vor einem Programm. Man sitzt mitten im Alltag anderer Menschen. Menschen, die mit deutlich weniger Platz, deutlich weniger Besitz und deutlich weniger Komfort leben als wir.

Und trotzdem wirken sie zufrieden.

Als wir die Hütte wieder verlassen, gehen wir deutlich stiller zurück, als wir gekommen sind. Unterwegs steht eine Giraffe in der Landschaft. Normalerweise wäre das ein Highlight.

Heute nicht.

Die Begegnung im Dorf beschäftigt uns viel mehr.

Der Rest des Abends verläuft ruhig. Wir sitzen in der Lodge, lassen den Tag Revue passieren und denken immer wieder an die Menschen zurück, die wir gerade kennengelernt haben.

Man reist oft ans andere Ende der Welt, um Tiere zu sehen, Landschaften zu fotografieren oder Abenteuer zu erleben. Manchmal sind es aber gerade die Begegnungen mit Menschen, die den stärksten Eindruck hinterlassen.

Und manchmal reichen dafür 25 Quadratmeter.

 

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