6:30 Uhr - Im Urlaub ist das normalerweise eine Uhrzeit, die ich nur vom Hörensagen kenne. Heute gibt es allerdings einen guten Grund, freiwillig aufzustehen. Unsere Lodge liegt direkt am Lake Natron und blickt nach Osten. Genauer gesagt genau dorthin, wo die Sonne gleich erscheint.
Und so ist es.
Während sich die ersten Sonnenstrahlen über die Landschaft schieben, sitze ich vor unserem Zelt und genieße einen dieser Momente, für die man den ganzen Reisestress gerne in Kauf nimmt. Keine Autos, keine Menschenmassen, kein Programm. Nur Afrika und ein Sonnenaufgang, der besser aussieht als jede Postkarte.
Wobei... vollkommen ruhig ist es nicht. Denn unsere Nachbarn sind bereits wach.
Die Weber.
Nicht die aus Weilerswist, sondern die gefiederten Versionen davon.
Während andere noch schlafen, herrscht auf der Weber-Baustelle bereits Frühschicht. Ununterbrochen fliegen die kleinen Architekten mit Baumaterial an ihren kunstvollen Nestern vorbei. Also schnappe ich mir die Kamera, stelle 1/8000 Sekunde ein, aktiviere die schnellste Serienbildfunktion und versuche die Vögel im Anflug zu erwischen.
Nach ungefähr 150 Fotos, auf denen entweder kein Vogel, nur ein Flügel oder ein völlig leeres Nest zu sehen ist, klappt es tatsächlich und es zeigt sich, wenn man etwas ordentlich plant, dann funktioniert es auch.
Danach Frühstück. Das Thema können wir mittlerweile überspringen - Weiter.
Gegen 10:00 Uhr holt uns Godson ab und gemeinsam mit Moses, unserem Massai-Guide, starten wir zur Wanderung zum Natron-Wasserfall. Vorher lautet die Anweisung:
"Wasserfeste Sandalen und Schwimmsachen mitnehmen."
In meinem Kopf klingt das nach einem gemütlichen Spaziergang zu einem Wasserfall. Vielleicht noch ein bisschen Füße ins Wasser halten und anschließend zurück zur Lodge.
Was tatsächlich passiert, würde in Deutschland vermutlich als Premium-Canyoning-Tour verkauft. Zunächst wandern wir durch die Landschaft. Dann wird der Weg schmaler. Danach stehen wir plötzlich in einer Felsschlucht. Wenig später müssen wir den Fluss überqueren. Dann noch einmal. Und noch einmal. Als wir schließlich glauben, angekommen zu sein, erfahren wir die letzte Überraschung:
Zum Wasserfall kommt man nur schwimmend.
Natürlich - Warum auch einfach, wenn es spektakulär geht?
Also springen wir ins Wasser und schwimmen durch die Schlucht bis zum Wasserfall. Das Wasser ist angenehm warm und die Kulisse beeindruckend. Hohe Felswände, das Rauschen des Wassers und mittendrin zwei Urlauber, die vor wenigen Stunden noch glaubten, einen gemütlichen Spaziergang gebucht zu haben. Es ist anstrengend, es ist nass, es ist großartig.
Und während in Deutschland vermutlich Helme, Neoprenanzüge, Sicherheitsgurte und dreizehn Unterschriften notwendig wären, steht hier einfach Moses am Einstieg und sagt sinngemäß: „Wir gehen jetzt los.“ - Ich mag Afrika.
Zurück in der Lodge lautet der Plan: Duschen, 20 Minuten Powernap, Pool.
Der Plan scheitert bereits nach Punkt eins. Ich lege mich kurz aufs Bett. Als ich die Augen wieder öffne, sind zwei Stunden vergangen. Offensichtlich war die Tour doch etwas anstrengender als erwartet. Danach geht es direkt zum Pool.
Mittlerweile ist dort auch eine neue Reisegruppe angekommen. Und plötzlich fühle ich mich direkt in Tommy Jauds "Hummeldumm" versetzt. Wer das Buch kennt, weiß genau, was ich meine. Während wir im Wasser liegen und versuchen zu entspannen, lauschen wir den Fachgesprächen über Afrika, Tiere, Safari und das Leben im Allgemeinen. Nach ungefähr zehn Minuten schauen Tanja und ich uns nur noch an und müssen grinsen.
Manche Menschen reisen nach Afrika. Andere erklären Afrika. Der Unterschied ist erstaunlich groß. Nach Tee, Pool und genügend Unterhaltung kehren wir schließlich zu unserem Zelt zurück. Die Bilder des Tages werden gesichtet und der Wasserfall besteht erfreulicherweise nicht nur in unserer Erinnerung, sondern auch auf den Speicherkarten.
Anschließend folgt das Abendessen. Auch hierzu gibt es mittlerweile wenig Neues zu berichten. Die Vorteile einer Hotelkette sind bekannt. Die Nachteile ebenfalls. Das Essen schmeckt. Manchmal ist es warm. Man wird satt.
Fertig.
Den schönsten Teil des Abends liefern erneut unsere tierischen Nachbarn.
Direkt vor unserer Terrasse grasen wieder mehrere Zebras. Während die Sonne langsam verschwindet, stehen wir dort, beobachten die Tiere und genießen die unglaubliche Ruhe, die plötzlich wieder eingekehrt ist.
Irgendwann ziehe ich mich zurück. Noch bevor der Mond aufgeht. Mit einem kleinen wehmütigen Gedanken an zuhause. Denn ausgerechnet heute läuft das große BAP-Konzert aus dem Stadion im WDR. Leider reicht die Internetverbindung hier ungefähr für eine Wettervorhersage und eine halbe E-Mail. Streaming ist völlig ausgeschlossen.
Schade eigentlich.
Ein bisschen BAP über der afrikanischen Savanne hätte durchaus Stil gehabt.
Wobei...
Vielleicht hätten die Zebras dann angefangen mitzusingen. Und wer weiß, ob die Webervögel anschließend nicht auch noch eine Zugabe gefordert hätten.
Ne schöne Jrooss






































Kommentare
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