Pünktlich um 10:00 Uhr holt uns Silvester ab. Nein, wir stoßen nicht auf den Jahreswechsel an. Silvester ist unser Fahrer und bringt uns in den Arusha-Nationalpark.
Nach der kurzen Nacht und dem Flugchaos des Vortages kommt uns dieser Park genau recht. Hier geht es nicht darum, möglichst viele Löwen, Leoparden oder Elefanten abzuhaken. Der Arusha-Nationalpark muss niemandem etwas beweisen. Stattdessen zeigt er genau das, was auf vielen Safaris viel zu kurz kommt: Landschaft, Ruhe, Vogelwelt und jede Menge überraschende Begegnungen.
Schon nach kurzer Zeit wird klar, dass dieser Park fotografisch eine kleine Schatzkiste ist.
Zebras grasen friedlich in den weiten Ebenen und liefern genau die Motive, die man sich für Afrika vorstellt. Nicht spektakulär, nicht dramatisch, sondern einfach wunderschön. Manchmal reicht das völlig aus. Besonders angetan haben es mir heute die Affen. Die Diademmeerkatzen sitzen hoch oben in den Bäumen und schauen mit ihren bernsteinfarbenen Augen direkt in die Kamera. Einige wirken neugierig, andere eher so, als würden sie unsere fotografischen Fähigkeiten stillschweigend bewerten. Ein Gedanke, der mich als Fotograf leicht nervös macht.
Selbst die Warzenschweine scheinen heute beschlossen zu haben, fotogen zu sein. Gemeinsam mit weißen Reihern spazieren sie durch die Feuchtgebiete, als hätten beide Arten einen gemeinsamen Vertrag über friedliche Zusammenarbeit abgeschlossen.
Genau das macht den Arusha-Nationalpark aus. Hier jagt man nicht den „Big Five“ hinterher. Hier schaut man genauer hin. Und genau dabei entdeckt man die eigentlichen Geschichten.
Gegen 18:00 Uhr erreichen wir wieder unsere Lodge. Kurz darauf erscheint Veronika, unsere Reiseleiterin. Zumindest vermuten wir, dass sie uns betreuen möchte. Der Ablauf erinnert allerdings eher an eine Verkaufsschulung für Zusatzangebote.
Es werden zusätzliche Ausflüge, Sonderprogramme und Extras angeboten. Die Preise bewegen sich dabei in einem Bereich, bei dem vermutlich selbst die Warzenschweine kurz die Stirn runzeln würden.
Wir lehnen freundlich ab.
Um 19:00 Uhr gibt es Abendessen. Während wir noch die Bilder des Tages durchsehen, merken wir schnell, dass die Kombination aus Flugchaos, wenig Schlaf und erster Safari ihre Spuren hinterlässt.
Heute gewinnen weder Zebras noch Affen noch Flamingos.
Heute gewinnt das Bett.
Morgen wartet schließlich schon das nächste Abenteuer.






































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