Ich wache auf und weiß sofort: Heute wird kein leichter Tag. Der Hals kratzt, jeder Knochen meldet sich und mein Körper hat eigentlich ganz andere Pläne als ich. Aber ganz ehrlich – ich bin in Paris. Also ignorieren wir das gekonnt und starten erstmal dorthin, wo jede gute Reise beginnt: in unsere kleine Bäckerei um die Ecke.
Mit Croissant und Cola wird die Welt zumindest kurzfristig besser und wir fassen den nächsten Plan: die Fondation Louis Vuitton. Ein echtes Highlight moderner Architektur und für mich als Fotografie-Fan natürlich Pflichtprogramm. Als wir ankommen, sehen wir allerdings direkt, dass halb Paris exakt dieselbe Idee hatte. Die Schlange ist so lang, dass wir ziemlich schnell beschließen: Innen schön, außen spektakulär – und genau das reicht mir heute.
Um das Gehry-Bauwerk aus allen Perspektiven ablichten zu können, müssen wir durch den angrenzenden Park. Was zunächst wie ein Umweg klingt, wird schnell zum Erlebnis für sich. Zwischen Bäumen, Wegen und überraschenden Begegnungen – inklusive eines perfekt posierenden Pfaus, der sein komplettes Federkleid auffächert – entstehen ganz nebenbei Bilder, die in keinem Reisefotografie-Plan standen, aber genau das ausmachen, was ich an solchen Tagen liebe.
Gegen Mittag verlassen wir das Gelände und fahren weiter nach La Défense. Bevor ich mich allerdings den beeindruckenden Hochhäusern widme, investiere ich erstmal in meine Stimme – Halsschmerztabletten statt Souvenirs. Dann richtet sich der Blick nach oben: Glas, Stahl, Linien, Perspektiven. Moderne Architektur trifft hier auf perfekte Fotomotive und ich merke, wie mich die Kamera trotz angeschlagenem Zustand wieder komplett reinzieht.
Natürlich bleibt Paris auch heute sich selbst treu – der Regen kommt zurück. Und zwar nicht zaghaft, sondern mit Nachdruck. Also verlagern wir unsere Aktivitäten kurzerhand in ein italienisches Restaurant. Kein großer Hunger, aber genau der richtige Ort, um aufzutanken, sich aufzuwärmen und das Treiben draußen zu beobachten.
Am frühen Nachmittag zieht es uns zurück in die Stadt, Richtung Place de la Concorde. Ein kurzer Spaziergang durch die Tuilerien fühlt sich fast wie ein Reset an. Paris zeigt sich hier wieder von seiner ruhigen Seite – Menschen sitzen, genießen, beobachten. Genau der perfekte Ort für mich.
Wir treiben weiter durch die Straßen, vorbei an Boutiquen, deren Preise fast schon surreal sind. Mäntel ab 1600 Euro, Blusen für 500 Euro. Für meine Kamera ist das allerdings ein Paradies: Stil, Bewegung, Kontraste.
Plötzlich klingelt das Telefon – Ingo ist dran. „Wir sind in zehn Minuten an der Concorde.“ Passt, denken wir uns. Schnell abgestimmt: Die Gruppe nimmt den Ausgang Tuilerien, wir kommen ihnen entgegen. Klingt nach einem einfachen Plan. Wirklich.
Also drehen Tanja und ich um und marschieren zügig zurück Richtung Treffpunkt. Dort angekommen warten wir… fünf Minuten, zehn Minuten… nichts. Dann klingelt das Telefon erneut. Diesmal leicht irritiert: „Wo bleibt ihr denn? Wir stehen hier an der Metrostation Tuilerien!“
Kurze Stille. Kurzes Realisieren. Gleicher Ort – unterschiedliche Vorstellungen. Klassiker.
Also wieder alles zurück auf Anfang: Wir drehen erneut um und laufen dorthin zurück, wo wir unsere Street Fotografie gerade erst unterbrochen hatten. Paris wäre nicht Paris ohne ein bisschen Organisationschaos – aber genau diese Momente sind es am Ende, über die wir am meisten lachen. Wir beschließen spontan, gemeinsam zum Père Lachaise zu fahren.
Zwischen alten Grabstätten, schattigen Wegen und großen Namen liegt eine ganz besondere Ruhe. Wir suchen das Grab von Jim Morrison, das mittlerweile geschützt hinter Gittern liegt, und lassen uns treiben.
Langsam neigt sich der Tag dem Ende entgegen. Die Wege trennen sich wieder und wir schließen den Abend ganz entspannt mit einem Essen ab. Für mich ist allerdings klar: Heute war es das. Zurück im Appartement fühlt sich jeder Schritt schwerer an, und als ich schließlich im Bett liege, bin ich innerhalb von Sekunden weg.
Paris läuft weiter. Auch wenn ich heute ein bisschen auf Sparflamme unterwegs bin, liefert die Stadt trotzdem genau das, was ich suche: echte Momente, starke Bilder und Geschichten, die bleiben.





































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