Dieser Tag auf Norderney beginnt nicht mit einem Wecker, sondern mit Licht, das langsam durch die Fenster kriecht, und dem beruhigenden Gefühl, dass Ausschlafen hier kein Luxus, sondern fast schon eine vertraglich vereinbarte Inselpflicht ist. Also lassen wir den Vormittag großzügig links liegen und starten erst spät in Richtung Hafen. Dort wartet eigentlich das Haus der Wattwelten – der Ort, an dem einem das Wattenmeer erklärt wird. Als wir davorstehen, erklärt sich aber erst einmal nur eines: geschlossen. Kein Hinweis, kein Aushang, kein „Heute leider nicht“. Weder online noch bei den Einheimischen ist eine brauchbare Information aufzutreiben.
Also lassen wir die Theorie Theorie sein und schauen uns das Watt einfach selbst an. Austernfischer staksen konzentriert durch den Schlick, zwei Enten scheinen in eine ernsthafte Grundsatzdiskussion über Futterplätze vertieft, Möwen gleiten lautlos über die flachen Wasserflächen. Fazit: Das Watt braucht kein Museum. Es funktioniert am besten live.
Der Rückweg führt uns über die Strandpromenade. Der Wind ist deutlich spürbar, aber trocken, nordisch ehrlich und irgendwie belebend. Kinder stehen am Strand, manche erstaunlich nah am Wasser, offenbar um auszutesten, ob „frisch“ heute schon wieder „eiskalt“ bedeutet. Die Nordsee zeigt sich grau-grün, leicht geschniegelt, mit Wellen, die eher kommentieren als drohen. Über den Dünen liegt diese typische Norderney-Stimmung: weit, offen, ein bisschen rau – und dabei vollkommen unaufgeregt.
Zur Mittagszeit landen wir im Riffkieker. Drinnen warm, draußen Wind – eine Kombination, die nördlicher kaum sein könnte. Es gibt ein kleines, feines Fischsüppchen, genau richtig für diesen Tag. Danach ein kurzer Rückzug in die Ferienwohnung: durchatmen und aufwärmen.
Am späten Nachmittag zieht es uns noch einmal Richtung Hafen. Wieder Watt, wieder Vögel, diesmal etwas näher und merklich ruhiger. Und dann das Bootshaus. Der Schriftzug groß, klar, fast schon ikonisch. Nein, nicht der bekannte Kölner Club, aber der Name reicht vollkommen aus, um später mit ernster Miene sagen zu können: „Ich war auch mal im Bootshaus.“ Geschichten wollen schließlich gepflegt werden.
Abends dann wieder der Riffkieker, diesmal mit reserviertem Tisch und ordentlichem Hunger. Genießen, schlemmen – so zumindest der Plan. Ich bestelle eine Fischplatte mit Salzkartoffeln und Sauce Hollandaise und frage höflich, ob statt der Salzkartoffeln auch Bratkartoffeln möglich seien, da diese bei anderen Gerichten auf der Karte auftauchen. Die Antwort kommt routiniert: Ja, das sei möglich, koste allerdings leider vier Euro Aufpreis. Ich entscheide mich dann doch für die Salzkartoffeln und frage Tanja leise, ob die Bratkartoffeln möglicherweise mit freiem Oberkörper serviert werden – anders lässt sich dieser Aufpreis für mich gerade nicht erklären.
Das Essen kommt, und schon der erste Bissen verrät: Die Sauce Hollandaise hat vermutlich eher eine Tüte als eine Küche gesehen. Bei einem Preis von über 30 Euro für dieses Gericht hätte ich mir ehrlicherweise etwas mehr handwerkliche Leistung gewünscht. Unwillkürlich denke ich an kleine französische Restaurants, in denen alles frisch zubereitet wird – bei ähnlichem Preisniveau. Genug geärgert. Der Tag wird langsam eingerollt. Auf dem Heimweg liegt Norderney im Sturm, es saust und pfeift um uns herum. Offenbar hat das Wetter beschlossen, sich meiner Stimmung anzupassen.





































Kommentare
So schön die Meeresbrise auch ist, wenn man Tanja sieht freut man sich 'hier' bei ein bisschen Sonnenschein im Garten werkeln zu können. Weiterhin gute Erholung.
heute hatten wir wieder die Sonnenseite des Lebens auf unserer Seite.
Herzliche Grüße
Norbert