Es gibt Reisen, da weiß man schon vorher: Wenn hier etwas schiefläuft, dann bitte konsequent und alles auf einmal. Und dann gibt es Reisen wie diese. Sie beginnen mit einem pünktlichen Zug. Ja, pünktlich. Von Weilerswist nach Köln. Ich erwähne das nur, weil das allein schon fast nach Photoshop klingt – zu schön, um wahr zu sein.
In Köln treffen wir die nächsten sechs Mitglieder unseres Fotoclubs „Die Lichtjäger“. Ab diesem Moment ist klar: Alle sind da, alle sind wach, und jeder hat mindestens ein Objektiv zu viel im Rucksack. Wir steigen in den ICE Richtung Brüssel.
In Aachen setzt sich eine Frau mit ihrem Begleiter zu uns – einem etwas größeren Hund, der völlig selbstverständlich ebenfalls einen Sitzplatz bekommt. Willkommen in Belgien. In Lüttich werfe ich nur einen sehr kurzen Blick auf den Bahnhof, schwupp gehen die Türen zu, und ich darf im Sprinttempo zum ersten Wagen laufen, um weiter mitfahren zu dürfen. Mit einem strengen, aber gnädigen Blick lässt mich der Zugbegleiter dann doch noch an Bord. Bahnromantik pur.
In Brüssel Nord steigen wir um, alles läuft reibungslos. Zu reibungslos. Wir kommen pünktlich an. Was ist hier los? Das soll eine Bahnreise sein? Wir stehen im Bahnhof Antwerpen Centraal. Und jetzt mal ehrlich: Das ist kein Bahnhof. Das ist ein architektonisches Statement. Ein Ort, an dem selbst Menschen ohne Kamera stehen bleiben – und Fotografen sowieso.
Im nahegelegenen Hotel treffen wir Ulla, die ganz entspannt mit dem Auto angereist ist. Zimmer gibt es noch nicht, Koffer werden abgegeben, ein kurzer Check der Ausrüstung – und dann geht es direkt raus in die Stadt.
Antwerpen macht es einem leicht. Diese Stadt wirft einem Motive zu. Wir starten – natürlich – noch einmal im Bahnhof. Danach geht es mit der Straßenbahn zum Havenhuis. Dieses Gebäude sieht aus, als hätte jemand gesagt: „Lasst uns etwas bauen, das Fotografen zwingt, nach dem ersten Bild wieder umzukehren, weil es einfach nicht gereicht hat.“ Glas, Linien, alte Substanz – großartig. Leider hat der flämische Camperverband genau hier sein Treffen. Fotografie lebt eben auch vom perfekten Timing. Oder von Geduld.
Zurück in die Stadt geht es weiter zu anderen architektonischen Highlights, bis wir gegen 17:00 Uhr im Hotel einchecken.
Um 19:00 Uhr folgt dann ein Programmpunkt von höchster Priorität: unser reservierter Tisch im Restaurant ’t Putke. Kameras weg, Gespräche laut, Alltag aus. Fast perfekt – wären da nicht die fünf erlaubten Gerichte für neun Personen. Ja, wirklich. Die Bedienung ist freundlich, die Küche strikt, die Stimmung kurz irritiert. Wir machen es trotzdem. Es schmeckt gut, aber diese Regel bleibt… ungewöhnlich.
Nach dem Essen ziehen wir noch ein bisschen durch die Innenstadt, machen hier und da ein Foto, bevor wir müde in der Hotellobby bei einem Absacker landen.
Antwerpen ist keine Stadt, die man abhakt.
Sie lässt sich entdecken – und genau das macht sie so großartig.





































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